Rakhat Aliyev (Shoraz) war ein sehr einflussreicher Mann in Kasachstan. Ende der neunziger Jahre wurde er zum Chef der Steuerfahndung ernannt. Wenig später wechselte er als stellvertretender Leiter zum Geheimdienst. Er besaß und kontrollierte TV-Stationen, Radiosender und Zeitungen, Internetdienste und Werbeunternehmen, er war mit der Nurbank im Finanzsektor und im landwirtschaftlichen Bereich in der Zuckerindustrie tätig.
Aliyev hatte buchstäblich überall seine Finger im Spiel. Mit immer brutaleren Methoden – Gründung illegaler paramilitärischer Milizen – versuchte er seine Macht und seinen Einfluss noch weiter auszubauen. Seine Gegner wurden systematisch eingeschüchtert und mundtot gemacht.
Dies mussten Anfang 2007 auch die damaligen Nurbank-Manager Zholdas Timraliyev und Aybar Khasenov am eigenen Leib erfahren. Zusammen mit mehreren Helfern – unter ihnen Vadim Koshlyak als Hauptmittäter – entführte Aliyev die beiden Banker. Um ihnen Informatonen und Vermögenswerte abzupressen ließ Aliyev seine beiden Opfer brutal foltern und schließlich grausam ermoden. Die Leichen wurden in Metallfässer gesteckt, mit Kalk überschüttet und auf einer Mülldeponie vergraben.
Dank dem Engagement von Armangul Kapasheva, der Witwe von Zholdas Timraliyev, ihrem starkem öffentlichen Auftreten und Aufmerksammachen auf die prekäre Lage ihrer Familie, wurden die kasachischen Behörden aktiv gegen Rakhat Aliyev.
Nachdem der Druck auf Aliyev immer stärker wurde, ging dieser zum wiederholten Male als kasachischer Botschafter nach Wien. Wenige Tage nach seiner Ankunft wurde das Verschwinden von Zholdas Timraliyev und Aybar Khasenov offiziell bekannt. Im Mai 2007 wurde ein Strafverfahren gegen Aliyev in Almaty eröffnet. Das Gericht verurteilte Rakhat Aliyev daraufhin in Abwesenheit zu einer Gefängnisstrafe von 20 Jahren. Seine Ehe mit der Tochter des Päsidenten wurde aufgelöst.
Die österreichischen Behörden weigerten sich, trotz zahlreicher namhafter Gutachten, Aliyev nach Kasachstan auszuliefern. Aliyev gelang in Österreich, was ihm schon in seiner Heimat gelungen war, nämlich Menschen zu manipulieren und möglicherweise zu kaufen und somit einer Strafverfolgung zu entgehen.
Seit Herbst 2011 wird in Österreich wieder ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Wien begann bereits Mitte Januar mit einer Großaktion an Zeugeneinvernahmen – über 20 Zeugen aus Kasachstan. Auch die in Österreich lebenden mutmaßlchen Mittäter wurden einvernommen. Zur Einvernahme von Rakhat Aliyev selbst reiste die Staatsawältin sogar nach Malte.
Zu hoffen bleibt, dass diese Ermittlungen konsequent durchgeführt werden.