Der frühere kasachische Regierungschef Akeschan Kaschegeldin (Akezhan Kazhegeldin), der in Kasachstan in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde und in den USA lebt, strebt in Kasachstan wie in Europa seine volle Rehabilitierung an. Er wirft dem früheren kasachischen Botschafter in Österreich, Rakhat Aliyev, ein Komplott vor und will nach Informationen aus Berliner Anwaltskreisen demnächst Gespräche in der EU-Kommission und im Europäischen Parlament führen, um die Fakten ans Licht zu bringen.
Kaschegeldin, der von 1994 bis 1997 Regierungschef der zentralasiatischen Republik war, wurde wegen Bestechung und Steuerhinterziehung verurteilt. Der Politiker war im Juni 2000 in Rom festgenommen worden, wurde aber später aufgrund eines fehlenden Auslieferungsabkommens wieder freigelassen. Er soll sich heute in den USA aufhalten.
Auch Kaschegeldins frühere Leibwächter bezeichnen sich als Aliyev-Opfer, weil sie unter Misshandlungen gegen ihren Chef aussagen sollten. Einer der misshandelten Bodyguards, Satzhan I., ließ unlängst in Wien durchblicken, dass Aliyev nicht im Auftrag von Staatschef Nursultan Nasarbajew (Nursultan Nazarbayev) gehandelt habe, sondern im eigenen Interesse.
Kaschegeldin war durch die Anschuldigungen – er habe Waffen gesammelt, um einen Staatsstreich vorzubereiten – nach seiner Flucht aus Kasachstan ein international gesuchter Verbrecher. Erst durch den Beistand prominenter US- und EU-Politiker konnte der ehemalige Regierungschef seinen Ruf wieder halbwegs konsolidieren.
Seine Leibwächter, Satzhan I. und Petr A., streben ebenfalls ihre Rehabilitierung durch Wiederaufnahme der jeweiligen Strafverfahren an. Satzhan I. hat seine gesamte Haftstrafe von dreieinhalb Jahren bereits abgesessen. Er war wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt worden, nachdem man bei ihm Jagdgewehre und eine Pistole gefunden hatte. In den Verhören und im Gefängnis soll er gezwungen worden sein, seine frühere Schutzperson Kaschegeldin anzuschwärzen, wie es in Berlin hieß.
Während Petr A. heute im belgischen Gent lebt, wohnt sein früherer Kollege nach wie vor in Kasachstan. Er verspüre in seiner Heimat jedoch keinen Druck mehr, weil Aliyev jetzt selbst verfolgt werde, sagte er in Wien. Allerdings gelte er als vorbestraft und habe es schwer, in Kasachstan wieder Fuß zu fassen.
In Berlin heißt es auch, dass die Adresse Aliyevs auf Malta bekannt sei. Er lebe unter dem Namen seiner Frau in der Stadt Sliema.
Quelle: apa-defacto